Warum ich meine Familie schätze und gerne Vater bin

Familienglück mit dem Blick durch eine rosarote Brille oder mit Schmetterlingen im Bauch zu „schaffen“ ist einfach, es auf Dauer zu gestalten und zu leben, eine immer wieder neu notwendige Entscheidung und Herausforderung.

Das ist zumindest meine Erfahrung und gleichzeitig erlebe ich, wie sehr es sich lohnt in Familienglück zu investieren und sich immer wieder neu dafür zu entscheiden.

Meine Familie bietet mir die intimste Form von Heimat

Nach Hause zu kommen bedeutet für mich in erster Linie zu meiner Familie zu kommen,  also zu meiner Frau und meinen drei Kindern. Als Oberschwabe, der nach 8,5 Jahren Essen (Ruhrgebiet) seit 6,5 Jahren in Jena lebt verbinde ich mit Heimat nicht (mehr) in erster Linie die liebliche Voralpenlandschaft. Denn auch dort musste ich in verschiedensten Systemen verschiedenste Rollen verkörpern, genau wie in Jena der Fall ist, wo ich mich (was die Menschen und die Landschaft anbelangt) ebenfalls sehr wohl fühle. Als intimste Form von Heimat betrachte ich meine Familie deshalb, weil ich dort genau so sein darf, wie ich bin. Ich kann mich fallen lassen denn … Masken aufzusetzen / Rollen zu spielen würde eh nichts nützen. Meine Familie würde das durchschauen. Das tut gut und das entlastet.

Meine Familie verleiht mir Stabilität, gibt mir Korrektur und erdet mich.

Auch wenn dies manchmal unangenehm ist, so ist es doch gesund. Wir Menschen sind auf Interaktion angelegt. Dazu braucht es ein Gegenüber. Für mich ist ein Gegenüber wichtig, bei dem ich sein kann wie ich bin und das mich „durch mein Sein“ nicht (aus-/be)nutzen will. All das finde ich bei meiner Frau und meinen Kindern (und anders herum), was mir in meiner Familie eine große Stabilität verleiht. Gleichzeitig geht es nicht darum, dass meine Familie mir alle meine Ideen, Vorhaben, Haltungen und Meinungen bestätigt oder mir gar nach dem Munde redet. Manchmal bin ich mit meinen Vorhaben, Meinungen und Prioritäten auch auf dem Holzweg. Da ist es notwendig, wenn mir jemand Korrektur gibt,  auch wenn dies situativ unangenehm ist bzw. wenn ich mich im ersten Moment dagegen auflehne.  Wichtig ist, dass jemand meine hochtrabenden Ideen, meine falschen Prioritäten, meine ungesunden Vorhaben u.ä. erdet. Nicht alles was möglich ist, ist auch gut:  für mich, für meine Familie, für mein Unternehmen, für die Gesellschaft. Dafür eine zweckfreie Einordnung als ehrlichen Spiegel gegenüber gehalten zu bekommen ist gesund.

Meine Kinder halten mir einen Spiegel vor, der mich herausfordert

„Papa, Du isst schon die zweite Nutella-Brötchenhälfte. Wir dürfen doch nur eine.“ Ja, Diplomatie ist die Sache meiner fünfjährigen Tochter nicht. Das ist aber gut und richtig so. Denn so hält sie mir einen ehrlichen, ungeschminkten Spiegel vor, den ich nicht immer nur angenehm finde. Denn … wie sollte ich begründen, dass für mich hinsichtlich der Quantität der Nutellabrötchen andere Regeln gelten als für sie.

Des Weiteren gibt sie mir eine Rückmeldung über die Prägungen, die wir ihnen als Eltern weiter geben – positive wie negative. So freue ich mich darüber, wenn sie beim ins Bett bringen sagt: „Ich möchte noch beten.“ Gerne spreche ich mit ihr ein Abendgebet und singe ein Gute-Nacht-Lied.

Das Dritte: meine Kinder erden meine Prioritäten. Wenn meine dreijährige Tochter genau DAS Kuscheltier mit in den Kindergarten nehmen will, das gerade nicht auffindbar ist, obwohl wir schon fünf Minuten zu spät dran sind bringt mich das auf der einen Seite innerlich auf die Palme. Auf der anderen Seite zeigt es mir aber auch, wessen Prioritäten in dieser Minute „die Tagesordnung bestimmen“ und diese will ich nicht gering schätzen.

In Bewegung: meine Familie als Abbild des Lebens

Meine Familie ist Abbild des Lebens: sie ist – „mit ihren Teilen“ – in Bewegung. Die Kinder entwickeln sich. Sie werden älter. Die Themen, Herausforderungen, Konstellationen und Rollen innerhalb der Familie verändern und entwickeln sich. Das ist gut und richtig so und ist Abbild des Lebens, das ich auch in anderen Lebensbereichen, wie dem beruflichen oder ehrenamtlichen, feststelle. Je fragiler „unsere Umgebung / unsere Gesellschaft“ wird (Stichwort „Globalisierung“) desto größer wird das Bedürfnis nach Stabilität. Deshalb ist es gut dass Familie Beides ist: sich in Bewegung und Entwicklung befindende „Dynamik des Lebens“ und gleichzeitig Stabilität und Heimat verleihender Pol, an dem ich sein darf wie ich bin.


David Hirsch

arbeitet bundesweit als Unternehmensberater in den Bereichen
Strategie, Organisation, Personal und Management.
Jahrgang 1973, verheiratet, 3 Kinder, lebt in Jena



Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close