Ich bin ein Menschenentwickler, der Kunden und Mitarbeiter fördert

„Liebe Deine Kunden!“ Und zwar die Menschen nicht deren Geld. Bei dieser einfach ausgedrückten Haltung handelt es sich bei Lichte betrachtet um Ungewöhnliches. Denn in Marketing und Vertrieb haben wir Anderes gelernt. Wir haben gelernt so viel wie möglich so effizient wie möglich zu verkaufen.

Die Menschen bleiben dabei häufig auf der Strecke. Dabei „stehen hinter Kunden und Mitarbeiter Menschen“, die fair behandelt werden wollen und dann – vielleicht mit Verzögerung – auch bereits sind selbst faier zu handeln.

Eine Firma tut gut daran mit Kunden und Mitarbeitern eine langfristig tragfähige, auf Vertrauen basierende, Beziehung aufzubauen. Gleichzeitig dauert ein Beziehungsaufbauprozess lange. Zerstört sind diese Beziehungen demgegenüber aber schnell. Deshalb: „Liebe Deine Kunden und MitarbeiterInnen.“

Enttäuschtes Vertrauen erfordert Vorschussvertrauen

Vor allem gegenüber Mitarbeitern, aber auch Kunden, die die Wende 1989/’90 erlebt haben und mit denen ich seit meiner Geschäftsführerverantwortung in Jena seit 2010 zu tun habe stelle ich immer wieder fest, dass es dafür meinerseits eines Vertrauensvorschusses bedarf. Denn ihr Vertrauen in „Obrigkeiten“ wurde schon häufig enttäuscht – vielleicht auch von mir als Chef.

Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass dieses Vertrauen „dosiert gereicht“ und flankiert wird. Sonst ist es wie mit einer komplexen Maschine, die zwar in der Lage ist viel zu „schaffen“, gleichzeitig aber auch viel zu zerstören, wenn sie nicht richtig bedient wird. Ich habe das in der ÜAG z.B. mit der Einführung der Vertrauensarbeitszeit oder mit Angeboten des betrieblichen Gesundheitsmanagements erlebt.

Angebote, die nicht nur positiv ankommen können. Zum Glück war das auch teilweise der Fall – aber eben nur teilweise. Die Kritiker davon zu überzeugen, dass ein Angebot möglichkeitsorientiert ist und wenn die individuellen Strukturen so passen, gar keiner Veränderung bedarf, erforderte Zeit und Begleitung.

Dasselbe habe ich bei von mir proaktiv adressierten Weiterentwicklungsmöglichkeiten gegenüber Mitarbeitern erlebt. Auch hier ist die skeptisch geäußerte Vermutung: „Warum macht der das? Will der mich loswerden, zum Beispiel durch einen höheren Grad an Spezialisierung?“

Getriggert werden diese Äußerungen in erster Linie aus der eigenen Erfahrung: Manche mussten über Jahrzehnte fragen und betteln, bevor sie als Mitarbeiter irgendetwas bekamen.

Der uneigennützige Kundennutzen ist weitgehend unbekannt

Auch in Bezug auf Kunden habe ich das erlebt. Ein meinerseits präsentiertes, kundenorientiertes Angebot führt nicht selten zur Suche nach dem „Haken an der Sache“. Die Erfahrung vieler, vor allem klein-und mittelständischer Unternehmen hat gezeigt, dass es ein Angebot eines Unternehmens nicht ohne verstecktem Eigennutz geben kann. Auch hier ist ein Vorschussvertrauen im Sinne von ProBonoTage zu Testzwecken notwendig. Vertrauen lässt sich nicht mit einer Erstbeauftragung erzwingen.

Positive Erfahrungen sind der beste Werbeträger

Die beschriebenen Beispiele machen mir deutlich, dass sich Mitarbeiter und Kunden über Jahrzehnte selbst um ihre Entwicklung kümmern mussten. Sie wurden also konditioniert, dass sie – wenn überhaupt – nur etwas erreichen können, wenn sie sich selbst kümmern. Wenn nun ein Chef oder ein Unternehmen kommt und für die Mitarbeiter oder den Kunden „denkt“ so ruft das zunächst mal eine erfahrungsgetrickerte Abwehrreaktion hervor.

Das Schlimme ist ja, dass Mitarbeiter oder Kunden nicht selten auch davon enttäuscht wurden, weil sie der Chef vielleicht tatsächlich „wegloben“ oder der Anbieter seinen günstigen Vorteil kassieren wollte. Dagegen hilft nur die gegenteilige Erfahrung von Mitarbeitern mit ihrem Chef bzw. von Unternehmen mit dem Anbieter. Und als „Vertriebsweg“ der Arbeitgebermarke bzw. des Angebots hilft nur die Referenz – das Erzählen der positiven Erfahrungen anderer.

Die bewusste Förderung von Mitarbeitern und Kunden ist also kein „Nebenhereffekt“ sondern bedarf einer menschenfreundlichen Haltung, die genau dieses durch entsprechende Handlungen nach sich zieht. Der langfristig Effekt ist eine langfristige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Mitarbeitern und Kunden. Genau das möchte ich. Deshalb habe ich für mich als Chef und Anbieter diese Haltung entwickelt und möchte, dass Mitarbeiter und Kunden mit mir und meinem Unternehmen diese Erfahrung machen.


David Hirsch

arbeitet bundesweit als Unternehmensberater in den Bereichen
Strategie, Organisation, Personal und Management.
Jahrgang 1973, verheiratet, 3 Kinder, lebt in Jena



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