Heimat ist für mich dort, wo Menschen bereit zur Veränderung sind

„Die Veränderungsgeschwindigkeit nimmt zu.“ So oder so ähnlich höre ich immer wieder ein ausgesprochenes Bedauern von meinen Mitarbeitern, die dem Druck ausgesetzt sind, der hinter diesem Satz steckt. Oder von meinen Geschäftspartnern, die der Dynamik oder der Veränderungsgeschwindigkeit kaum hinter her kommen und dabei unter die Räder zu kommen drohen.

Dieses Veränderungserleben mit „Heimat“ zu verknüpfen ist nicht mein Ansinnen und wäre sicher auch vermessen.

Veränderung nicht als Opfer erleiden sondern als Herausforderung gestalten: Das ist für mich Heimat

Diese Haltung ist aus dem Erleben geboren, dass die in unserer Arbeitsgesellschaft notwendige Veränderung aktiv gestaltet werden will und dass es dafür Rahmenbedingungen bedarf.

Das mit Bedauern ausgesprochene Zitat der Veränderungsbereitschaft entspringt einer „Opferhaltung“. Drastischer gesagt: es symbolisiert das „arme Schwein Syndrom“. Genau dieser Haltung will ich eine Kontrahaltung entgegen setzen.

Ich will mit Menschen zusammen arbeiten, die in einem ehrlichen und vertrauensvollen Miteinander veränderungsbereit sind und diese Veränderungsbereitschaft auch bewusst und aktiv wollen, um damit die Zukunft positiv zu gestalten. Dort, wo es Menschen gibt, die offen, ehrlich und vertrauensvoll miteinander umgehen und deshalb Veränderung wollen, ist für mich Heimat.

In meinem Unternehmen, der ÜAG, habe ich das insbesondere während der fünf Jahre von 2010 bis 2015 erlebt. Ich habe 2010 ein defizitäres, gemeinnütziges Unternehmen übernommen. Die Geschwindigkeit der marktlichen Veränderung trieb das Unternehmen sehr schnell noch mehr in die wirtschaftliche Krise. Es waren also schnelle Veränderungen gefragt, damit das Unternehmen nicht in die Existenzgefährdung geriet. Bis mein Unternehmen wieder schwarze Zahlen schrieb dauerte es lange fünf Jahre.

Auf der einen Seite war dafür eine Veränderungsbereitschaft meinerseits notwendig. Mit dieser Bereitschaft galt es für mich Führung zu übernehmen und Perspektiven zu geben. Auf der anderen Seite brauchte es Mitstreiter. Hier darf ich dankbar feststellen, dass ich Mitarbeiter als Verbündete gewinnen konnte, mit denen ich den harten Weg der Veränderung offen, ehrlich und vertrauensvoll gestalten konnte.

Ich habe aber auch Mitarbeiter erlebt, die sich dieser Veränderung widersetzten und nicht zuletzt um ihres Vorteils  und Besitzstandes willen daran auch nicht bereit waren mitzuarbeiten. Das war – ist bis heute – schwierig.

Mit der Haltung „Zukunft braucht Herkunft“ die Veränderung gestalten und dabei Freude empfinden

Manchmal erfordert die Veränderungsgeschwindigkeit eine Radikalität der Entscheidungen. Häufig ist Veränderung aber auch ein Weg, der konsequent, dabei aber Schritt für Schritt, Veränderung gestaltet. Meine Erfahrung ist, dass ein konsequenter aber sanfter Veränderungsprozess, der Radikalität der Veränderung um der Radikalität willen ablehnt, mehr Mitarbeiter überzeugt und mitnimmt. Das scheint mir sinnvoller zu sein als einer, der versucht „das Rad neu zu erfinden“, das sich aber zu 80% weiterhin dreht.

Deshalb bin ich zu der Haltung gelangt „Zukunft braucht auch Herkunft“. Mein Unternehmen wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Ein Datum, das ich als dienstjunger Chef intensiv dazu nutzen will, um mich gemeinsam mit den Mitarbeitern auf den Weg zu machen. Wir wollen die Herkunft erforschen, um mit ihnen leichter die Zukunft gestalten zu können.


David Hirsch

arbeitet bundesweit als Unternehmensberater in den Bereichen
Strategie, Organisation, Personal und Management.
Jahrgang 1973, verheiratet, 3 Kinder, lebt in Jena



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