Die Integration von Flüchtlingen ist ein wichtiges Projekt meiner Arbeit

Die Auswirkungen der Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 wirbeln in unserer Gesellschaft weiterhin viel Staub auf (vgl. Wahlergebnisse, gesellschaftliche Diskussionsprozesse etc.). So hat unsere Kanzlerin erst vor kurzem das legendäre „Wir schaffen das!“ wiederholt. Als grundoptimistischer Mensch bin ich mit unserer Kanzlerin der Überzeugung, dass wir es schaffen. Allerdings ist dies kein Selbstläufer.

Warum die Integration von Flüchtlingen ein wichtiges Projekt meiner Arbeit ist.

Aus zwei Gründen halte ich die Integration von Flüchtlingen für ein wichtiges Projekt meiner Arbeit: Zum einen ist es nach wie vor notwendig, dass ehren- und hauptamtlich tätige Menschen wie auch Organisationen und Unternehmen sich mit Lösungsbausteinen in diese gesellschaftliche Mammutaufgabe investieren. Sonst schaffen wir es nicht!
Da nicht mehr die Menschenmassen die deutschen Grenzen passieren (er)scheint das Engagement für geflüchtete Menschen vielleicht nicht mehr als so notwendig. Die berufliche und soziale Integration jedes Einzelnen der im vergangenen Jahr über 1 Million nach Deutschland gekommenen Menschen erfordert aber ein weitaus langfristigeres, ganz anderes, Engagement wie die Ad-hoc-Aufnahme- und Unterbringungsnotwendigkeit des vergangenen Jahres.
Ich habe mich entschieden mich darin zu investieren. Ich möchte nicht, dass die Flüchtlingsherausforderung unsere Gesellschaft weiter auseinander treibt, sondern dass sie sie offener und aufnahmefähiger macht. Weil Worte dazu aber ganz wenig beitragen, braucht es Taten, die zu sicht- und vorzeigbaren Integrationserfolgen führen.
Der zweite Grund: ich bin Unternehmer und für ein Bildungs- und Arbeitsmarktdienstleistungs-unternehmen ist dies auch eine marktliche Chance sich (weiter) zu entwickeln. Diese will ich nutzen.

Individualität vor Konformität

Mein Unternehmen betreut im Auftrag der Stadt Jena derzeit ca.220 geflüchtete Menschen in Gemeinschaftsunterkünften. Darüber hinaus besuchen ca. 120 TeilnehmerInnen unsere Sprach-/Integrationskurse. Beim Gespräch mit den Menschen wird deutlich, dass deren Motivationslage sich integrieren zu wollen (noch) hoch ist, dass sie aber (auch um diese Motivationslage zu erhalten) eins wollen: sich praktisch nützlich machen und nicht tagaus tagein in einer Unterkunft zum Nichtstun gezwungen (oder nur zum „Drücken der Schulbank“ verpflichtet) zu sein. Gleichzeitig wird in den Gesprächen deutlich, dass jeder dieser Menschen seine, individuelle Geschichte mit seinen individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten mitbringt. Dass diese extrem heterogen – von den doppelten Analphabeten bis hin zu akademisch hoch dekorierten Menschen – sind, macht die Herausforderung nicht einfacher.

Sprechen wir mit Ali*, 28 Jahre alt: Er berichtet froh zu sein vor dem syrischen Bombenterror erfolgreich die teure sowie nervenaufreibende Flucht über die Balkanroute nach Deutschland  hinter sich gebracht zu haben und nun in einem sicheren Land untergekommen und überwiegend freundlich aufgenommen worden zu sein. Im Blick auf seine Zukunft will er eines: arbeiten, um 1. dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen (eine Frage der Ehre), um 2. seine Familie (die ebenfalls mit hierher geflüchtet ist) ernähren zu können und um 3. seine Schulden zurückzahlen zu können. Er berichtet weiter, dass die deutsche Sprache zu lernen ihm schwer fallen würde, dass er aber einsehe, dass dies notwendig sei. Für drei oder fünf Jahre die Schulbank für den Spracherwerb und eine formale Ausbildungsqualifikation zu drücken, könne er sich nicht vorstellen.

Das Beispiel zeigt, dass hier ganz individuelle Lösungen im Hinblick auf den Arbeitswunsch von Ali notwendig sind. Mit meinem Unternehmen arbeite ich daran den Leistungsträgern und Unternehmen Qualifizierungsbausteine anzubieten, mit denen Praxis und (notwendiges, qualifizierendes) Lernen kombiniert werden können – in den ganz unterschiedlichen Branchen. Dies berichtet auch die heutige Ausgabe der OTZ Jena: http://jena.otz.de/web/jena/startseite/detail/-/specific/Herkulesaufgabe-zum-Jubilaeum-der-Ueberbetrieblichen-Ausbildungsgesellschaft-in-1233129961

Je mehr ich mit geflüchteten Menschen in Kontakt bin, desto mehr wird mir deutlich: wenn wir die (meist vorhandene) Motivation dieser Menschen nicht verlieren wollen (und wir dürfen Sie aus gesamtgesellschaftlichen Interesse nicht verlieren!) müssen wir ihnen maximal individuelle Qualifizierungs-, Praktikums- und Beschäftigungslösungen anbieten. Denn … wir wollen ja keine langfristigen Grundsicherungsempfänger, sondern motivierte Arbeitnehmer in unsere Gesellschaft integrieren. Diese Individualität ist eine Herausforderung für alle „Teile des Systems“.

Auf Spurensuche …

Gleichzeitig ahne ich, dass es auf diese, jew. individuellen Lösungsanforderungen, keine uniformen Antworten geben wird. Sondern … es wird mehrere Lösungs- und Angebotswege geben können, auch müssen, um das Ziel, eine berufliche- wie soziale Integration zu erreichen.

Deshalb veranstalte ich mit meinem Unternehmen am 29.8.2016 in Jena einen Fachtag zum Thema der beruflichen- und sozialen Integration geflüchteter Menschen und habe ihn mit „auf Spurensuche“ betitelt. Wir wollen uns gemeinsam die verschiedensten Lösungs- und Angebotswege unterschiedlicher Akteure ansehen, um unsere, jew. Angebotskenntnis zu erweitern und politische und gesellschaftliche Herausforderungen kontrovers zu diskutieren.

Bislang haben sich 80 Menschen angemeldet. Trotz abgelaufenem Anmeldeschluss kann man sich gerne noch anmelden, damit die Tagung mit den max. 100 TeilnehmerInnen voll wird.

http://www.ueag-jena.de/firmendaten/25-geburtstag/fachtagung

Ich freue mich auf eine interessante und hoffentlich zur gesellschaftlichen Debatte einen Beitrag leistende Fachtagung.

*Name geändert


David Hirsch

arbeitet bundesweit als Unternehmensberater in den Bereichen
Strategie, Organisation, Personal und Management.
Jahrgang 1973, verheiratet, 3 Kinder, lebt in Jena



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