Die Flüchtlinge sind untergebracht – aber was dann?

Deutschland sah sich im vergangenen Jahr einem in der Massivität bis dato nicht gekannten Strom von geflüchteten Menschen gegenüber. Diese kamen in unser Land, um Schutz vor Krieg und Verfolgung und Perspektive für sich und ihre Familien zu suchen. Die „offenen Grenzen“, sowohl auf der sog. „Balkanroute“ wie auch die unseres Landes führten dazu, dass dieser Strom im Jahr 2015 auf eine siebenstellige Zahl anschwoll. Die gesellschaftlich-politische Diskussion begleitet uns seither: lokal, national wie auch auf europäischer- sowie weltweiter Ebene.

Staatliche Strukturen und ehrenamtlich tätige Menschen sorgten für ein Willkommen

Unser Land war auf den Massenansturm nicht vorbereitet, weswegen es zu Beginn am Nötigsten fehlte. Wir erinnern uns alle noch an die teilweise dramatischen Bilder. Durch finanzielle und administrative Kraftakte haben Bund, Länder und Kommunen es jedoch in kürzester Zeit geschafft (2015 liegt gerade mal ½ Jahr zurück!), Kapazitäten für die Unterbringung, Verpflegung, medizinische Versorgung und Systeme wie Strukturen dafür zu schaffen. Auch haben sich in kürzester Zeit ehrenamtliche Tätige zusammen gefunden, ohne die ein „gedeihliches Willkommen“ der Flüchtlinge – trotz der großen finanziellen wie administrativen Kraftanstrengungen des Staates – nicht möglich gewesen wäre. Ich finde es bewundernswert, wie diese ehrenamtlich tätigen Menschen mit „ihren Flüchtlingen“ bis heute engagiert arbeiten.

Untergebracht – und nun?

Die fast ebenso dramatische „Wendung der Zahlen nach unten“, die sich auch wegen der winterlichen Temperaturen, vor allem aber wegen der politischen Entwicklungen (Schließung der „Balkanroute“, Türkeideal etc.) ereignete, entspannte die Unterbringungssituation der Länder und Kommunen schnell und merklich ja … führte an vielen Stellen sogar zu Überkapazitäten.https://pixabay.com/de/fl%C3%BCchtling-gl%C3%BCcklich-gruppe-1244692/

Mit Blick auf die Zukunft geht es mir an dieser Stelle weder darum, diese Unterbringungssituation weiter zu beleuchten noch um die Asylantragsverfahren, den damit jeweils verbundenen (rechtlichen) Status der geflüchteten Menschen oder um die Rolle des dafür zuständigen BAMF.

Es geht nun um eine stringente Integrationsperspektive

Vielmehr geht es mir um die berufliche wie soziale Integrationsperspektive der geflüchteten Menschen generell. Mein Unternehmen bringt im Auftrag der Stadt Jena derzeit ca. 280 geflüchtete Menschen in Gemeinschaftsunterkünften unter. (Fast) alle die können wollen arbeiten – und das so schnell als möglich. Dass die deutsche Sprache dafür Grundvoraussetzung ist, gilt als Konsens. Völlig heterogene Vorstellungen gibt es aber über das „wie“ der unterschiedlichen Qualifikationsschritte. Das ist auf der einen Seite insofern richtig wie verständlich, als dass jeder geflüchtete Mensch sehr individuelle Ressourcen, Kenntnisse und Fähigkeiten aber auch Wünsche und Ziele hat. Auf der anderen Seite bedarf es aber einer gewissen Stringenz (verbunden mit Standards), um die Vielzahl der Individuen effektiv qualifizieren zu können.

Hierzu hat sich unser Bundesverband BAG ÖRT, dessen Vorstand ich angehöre, in einem Papier positioniert: http://bagoert.de/fileadmin/daten/Ver%C3%B6ffentlichungen/Position_junge_Fl%C3%BCchtlinge.pdf. Darin wird vor allem deutlich, dass es eines zwischen allen Akteuren mindestens kommunal abgestimmten Gesamtkonzepts bedarf. Dieses berücksichtigt auf der einen Seite die Individualität auf der kleinteiligsten, staatlichen Ebene maximal. Auf der anderen Seite ist es aber (Mindest)voraussetzung, um die Effektivität der Qualifizierung, die Voraussetzung für eine gelingende Integration ist, gewährleisten zu können.

Gemeinsam „auf Spurensuche“ am 29.8.2016 in Jena

Insgesamt ist festzustellen, dass es gerade in der Frage der beruflichen und sozialen Integration geflüchteter Menschen keine Patentlösung gibt. Das kann man bedauern, muss man aber realistischerweise konstatieren. Deshalb habe ich im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums meines Unternehmens am 29.8.2016 in Jena einen Fachtag organisiert, an dem ich mich mit den FachtagsteilnehmerInnen „auf Spurensuche“ begeben will, effektive Lösungswege aufzuzeigen. Am Ende werden sicher keine fertigen Konzepte, hoffentlich aber die eine oder andere bislang nicht bekannt Spur stehen, deren Umsetzung ein effektiveres Angebot vor Ort möglich macht. Gerne sind auch Sie, liebe Newsletterleserin, lieber Newsletterleser, zu diesem Fachtag eingeladen. Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie unter http://www.ueag-jena.de/firmendaten/25-geburtstag/fachtagung.


David Hirsch

arbeitet bundesweit als Unternehmensberater in den Bereichen
Strategie, Organisation, Personal und Management.
Jahrgang 1973, verheiratet, 3 Kinder, lebt in Jena



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