Als Geschäftsführer bin ich der erste Diener „meines Staates“

Das dem Preußischen König Friedrich dem Großen im 18. Jahrhundert zugeschriebene Zitat ist auch mir zur Richtschnur meines Handelns als Unternehmer geworden. Ich finde diese Haltung, vor allem auch gegenüber Mitarbeitern – auch 2,5 Jahrhunderte später -nach wie vor modern und nachhaltig-wirtschaftlich notwendig.

Was sagt sie aus?

  • Ich stelle mich nicht über meine Mitarbeiter und behandle sie – anders wie mein Unternehmen – nicht als „mein Eigentum“. Dann wären sie nämlich in der Rolle von Sklaven, noch härter: Leibeigenen. Das sind sie – zum Glück – nicht. Ich habe einen Vertrag mit ihnen, mit dem sie mir ihre Arbeitsleistung und ich ihnen den dafür vereinbarten Lohn schulde.
  • Mit dieser Haltung stelle ich mich neben meine Mitarbeiter und will sie gewinnen – quasi als Teamleiter – gemeinsam mit ihnen an der Sache des Unternehmens ÜAG zu arbeiten. Von der Haltung her der „Primus Interpares“: der Erste unter den Gleichen.
  • Ich bin aber der erste Diener meines Unternehmens. Ich kann und will mich damit nicht meiner Verantwortung als Chef entziehen. Sondern ich will und werde dieser Verantwortung gerecht werden.

Alltägliche Kuriositäten meiner dienenden Haltung

Diese Haltung führt im Arbeitsalltag manchmal zu Kuriositäten wie der folgenden: Bei Meetings, vor allem bei solchen, die in der Zusammensetzung nicht regelmäßig stattfinden, ist es mir wichtig die Sitzungsteilnehmer einzeln mit Handschlag zu begrüßen und für eine positive Arbeitsatmosphäre zu sorgen.

Häufig stehen für die Meetings Kaffee und Kaltgetränke bereit. Bis sich jeder sortiert und Platz genommen hat beginne ich häufig damit Kaffee und Kaltgetränke anzubieten und auszuschenken. Auch wenn das Kellnern nicht zu meinen Kernkompetenzen gehört gelingt mir das ganz gut.

Die Reaktionen, vor allem von Mitarbeitern, die das zum ersten Mal erleben, sind allerdings häufig ein peinliches Berührtsein. Sie wollen zwar Kaffee, aber nicht von mir angeboten, erst recht nicht von mir eingeschenkt und fühlen sich dann bemüßigt mir ein „Gegenangebot“ zu machen. Mit einem die Peinlichkeit glättenden Spruch führt das aber meist zu dem Ergebnis der positiven Arbeitsatmosphäre.

Wirtschaftlich positive Auswirkungen der dienenden Haltung

Ich habe in dem Abschnitt davor bewusst von einer produktiven Arbeitsatmosphäre gesprochen, da es meine Erfahrung ist, dass eine teamorientierte, wertschätzende, dienende Haltung ein höheres Maß an Beteiligung und Verantwortungsübernahme und dadurch meist auch an Arbeitszufriedenheit von Seiten der Mitarbeiter hervor bringt. Insofern zieht diese dienende Haltung auch wirtschaftlich positive Effekte für den Unternehmenserfolg nach sich.

Die Autorenschaft des Unternehmenserfolgs verteilt sich auf mehrere Schultern. Durch die horizontal angelegte Multiplikation verschiedner Gaben wird die Dienstleistungs- und Produktqualität eine bessere, als dies bei einer angeordneten Handlungsanweisung der Fall wäre. Außerdem wird bei den Mitarbeitern Kreativität und Selbstlösungskompetenz frei gesetzt, weil gefordert, die meist zu einer höheren Arbeitszufriedenheit führt.

Spannung der dienenden Haltung

Wie alles hat auch diese Haltung ihre Herausforderungen. Ich merke, dass ich als Chef vor der Herausforderung stehe sehr situativ zu führen. Das im Abschnitt davor beschriebene höhere Maß an Beteiligung und Verantwortungsübernahme wird von meinen MitarbeiterInnen sehr unterschiedlich angenommen und ausgelebt.

Manche erwarten bzw. benötigen einfach eine engere Führung bzw. erwarten vom ersten Diener des Unternehmens, dass dieser nicht zu viel Gestaltungs(frei)raus lässt, sondern direktiver führt. Diesen MitarbeiterInnen das zu geben, was sie zum Arbeiten brauchen, sie aber gleichzeitig in ihrer Eigenständigkeit und Selbstlösungskompetenz zu stärken ist aufwändig und erfordert Fingerspitzengefühl, das im Alltag häufiger zu kurz kommt.

Im Hinblick auf die Entwicklungsfähigkeit von MitarbeiterInnen hin zu der beschriebenen Haltung bin ich als „erster Diener“ auch immer wieder Lernender. Und ich bin dies gerne.


David Hirsch

arbeitet bundesweit als Unternehmensberater in den Bereichen
Strategie, Organisation, Personal und Management.
Jahrgang 1973, verheiratet, 3 Kinder, lebt in Jena



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